Dienstag, 19. Juli 2011

Wie misst man Glück?

War die Titelgeschichte der SonnTAZ vom 10. Juli 2011. 
Was ist das eigentlich Glück? Und woher weiß ich, dass ich glücklich bin? Wie merke ich es? Könnte ich vielleicht noch glücklicher sein? Und was müsste ich dann tun? Interessante Fragen. 
Eine Journalistin will wissen, ob sie glücklich ist und fragt die Experten.  Es geht ihr gut, ihre Arbeit macht Spaß, sie hat Freunde  Die Soziologen würden sagen "alles bestens - Sie sind glücklich". Und doch ist da die Unsicherheit: "reicht das zum Glück"?
Die Fragen regen mich zu eigenen Nachforschungen an. Und wenn frau heutzutage etwas herausfinden will, was macht sie als ersten? Richtig. Sie gibt den Begriff bei Google ein. Die Google-Suche nach "Glück" ergibt 108.000.000 Ergebnisse, nach "Happiness" 230.000.000.  Ich mache einen Test und erfahre, dass ich ein Glückspotential von 90 % habe. Das ist schon mal ziemlich gut. Es gibt 23.200 Seiten mit Seminarangeboten für alle die ihr Glückspotential verbessern möchten. Ich probiere es noch bei Facebook. Aber das hilft nicht weiter. Hat jemand bei Wikipedia abgeschrieben.
Wikipedia widmet dem Thema einen langen Artikel  http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck. Glücksempfindungen werden nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaften von Botenstoffen ausgelöst. Diese Botenstoffe wiederum werden besonders durch Essen, Sex und Sport produziert.  Die Menge dieser Botenstoffe im Gehirn kann man messen. "Genügend Botenstoffe im Gehirn - alles bestens Sie sind glücklich" sagen die Hirnforscher.  Essen, Sex und Sport - reicht das zum Glück?
Probiere ichs noch bei Youtube (64.300 Ergebnisse): Grönemeyer und Hirschhausen. Machen mich beide nicht glücklich, auch wenn sie scheinbar viel über Glück zu sagen haben.Aber das gefällt mir.
Etwas nachdenklich schaue ich aus dem Fenster neben meinem Computer. Bin ich denn jetzt glücklich mit meinem Glückspotential von 90 %? Die Mönchsgrasmücke zwitschert lautstark im Busch, die Johannisbeeren leuchten rot vom Strauch, die Sonne scheint durch die Reste der Regenwolken. Ich gehe ein paar Schritte über die knarzenden Holzdielen zu meiner Kaffeemaschien. Nehme eine Tasse Kaffee mit zu dem Stuhl unter dem Apfelbaum. Und danach eine Runde Taiji. Ich bin glücklich.
Ich brauche das Glück nicht verstehen, ich kann es spüren, riechen, schmecken.......sobald ich meinen Sinnen Gelegenheit dazu gebe. Das Glück wird nicht im Internet gemessen, nicht von den Soziologen und nicht von den Hirnforschern. Es wird gemessen von meiner Haut, meinen Geschmacksknospen, meinen Augen und Ohren. Mein Glückspotential wartet nur darauf, dass ich es bemerke.
In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Sommer. Gib Deinem Glückspotential eine Chance. Es ist unermesslich groß.
Gudrun Geibig



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